top of page

Fachsimpeln, Netzwerken – Babysitten? Promovieren mit Kind: Die Tagungs-Challenge

  • 20. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Wissenschaftliche Tagungen sind Highlights während der Promotion. Sie sind die Bühne für die eigene Forschung vor Fachpublikum, die Gelegenheit für Austausch und Feedback, das Sprungbrett in der wissenschaftlichen Karriere, wenn es um Kooperationen, Zusammenarbeit und Sichtbarkeit geht. Doch für manche Promovierende sind Tagungen eine echte Herausforderung: zum Beispiel für Promovierende mit Kindern.

Vorteile und Stolpersteine für promovierende Eltern

In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich die Promotion nicht von einem „normalen“ Job in Büro oder Homeoffice. Einen Großteil der Zeit arbeiten wir in der Forschung im stillen Kämmerlein, ob im Institut, in der Bibliothek oder in den eigenen vier Wänden. Wir wälzen Bücher, sitzen am Computer und je nach Rahmenbedingungen lehren wir Studierende und übernehmen Verwaltungsaufgaben am Lehrstuhl. Dieser Teil der Promotion ist gut vereinbar mit familiären Pflichten. Denn auch wenn das Verfassen einer Doktorarbeit Zeit, Fleiß und Mühe kostet, ist der Vorteil der freien Zeiteinteilung und örtlichen Flexibilität nicht von der Hand zu weisen.

Reisekosten und Kinderbetreuung für Wissenschaftler*innen

Diese Freiheiten machen die Promotion zur idealen Phase für die Familienplanung. Wenn da nicht ein Haken wäre: Tagungen. Denn mehrtägige Reisen stellen Wissenschaftler*innen mit Kindern vor Herausforderungen. Aufgrund meiner Erfahrung würde ich sagen: Riesige Herausforderungen!

Tagungen während der Promotion mit Kind organisieren

Wenn man Kinder hat, bedeuten Tagungen einen Riesenaufwand. Man muss sich nicht nur fachlich vorbereiten, die Präsentation erstellen und eine passende Garderobe wählen, sondern noch hundert weitere Dinge organisieren. Zunächst einmal gilt es – je nach Alter der Kinder und persönlicher Umstände – zu entscheiden, ob das Kind mitkommt oder zuhause bleibt. Bei kleineren Kindern kann Stillen eine Rolle spielen, falls es die Mama ist, die zur Tagung fährt.  Bei älteren Kindern kann einem die Schulpflicht einen Strich gegen die Rechnung machen, wenn „Mitnehmen“ die für die Familie bessere Option wäre.


Unabhängig davon, für welche der beiden Optionen man sich entscheidet, muss man eine Betreuungsperson organisieren, die sich entweder vor Ort bei der Tagung oder eben zuhause um das Kind kümmert. Diese Person, sei es Partner*in, Großeltern, Freunde etc., muss eventuell extra Urlaub nehmen oder einen Verdienstausfall hinnehmen.

Mit Kind und Kegel – und Kosten

Entscheidet man sich dafür, das Kind mitzunehmen, muss eine entsprechende Unterkunft organisiert werden. Aus einem Schlafplatz im Mehrbettzimmer der Jugendherberge wird da mal schnell ein Familienzimmer im Hotel. Das ist ein Kostenpunkt, der bedacht werden will, und nicht der Einzige: Auch die Reisekosten steigen natürlich proportional zur Anzahl der Mitreisenden.

Die Kosten für Tagungsteilnahmen junger Wissenschaftler*innen werden mitunter von Stipendien, Graduiertenkollegs, universitätsinternen Fördermitteln usw. übernommen oder bezuschusst. Das ist eine Entlastung, aber auch ein zusätzliches to-do in der Planung: Es müssen Anträge ausgefüllt, Motivationsschreiben formuliert und Gutachten von der Betreuungsperson eingeholt werden.

Travel grant für Doktorand*innen mit Kind: ein Dschungel an Unterstützung

Und die zusätzlichen Kosten für die Familie? Auch dafür gibt es Möglichkeiten für gezielte Unterstützung, häufig aber auch einiges an Mehraufwand. Das können zusätzliche Formulare, Deadlines und Termine, z. B. Beratung im Gleichstellungsbüro, sein. Wenn die Finanzierung geklärt und die Unterkunft gebucht ist, geht’s ans Packen. Die kleine, elegante Reisetasche kann dabei getrost im Keller bleiben, denn ein Tagungsbesuch mit Anhang gleicht vom Gepäck her eher einem Familienurlaub. Wir brauchen Wechselkleider, Fläschchen, Windeln, Krabbeldecke, Spielzeug, Malstifte… Halt! Vor lauter Reisefieber die fachliche Vorbereitung nicht vergessen! Nochmal die Präsentation durchgehen, das Plakat aus dem Druck holen, sich auf Fragen vorbereiten…

Zwischen Vorträgen und Wickeltisch: Vor Ort bei der Tagung

Wie läuft es ab, wenn man mit Kindern und etwaigen Betreuungspersonen am Tagungsort ankommt? Einige Veranstalter richten für ihre Teilnehmenden eine Kinderbetreuung ein. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, aber kein Ersatz für eine dem Kind vertraute Begleitperson. Je jünger das Kind, desto wichtiger sind gewohnte Gesichter und vertraute Abläufe. Und eine punktuelle Kinderbetreuung während einiger Tage ist nicht zu vergleichen mit der gewohnten heimischen Kita. Trotzdem ist eine Kinderbetreuung vor Ort ein großer Gewinn für Eltern in der Wissenschaft. Sie stellt Rückzugsräume zum Stillen und Wickeln zur Verfügung und bietet Raum zum Spielen und Beschäftigungsmaterial gegen Langeweile.

Wie familienfreundlich sind wissenschaftliche Tagungen?

Tagungen haben ein geballtes Programm mit eng getakteten Sektionseinheiten, Plenarvorträgen, Präsentationen. Daher ist es hilfreich sich die Familien-Orga im Vorfeld zu überlegen. Wann soll man eine Pause zum Stillen einlegen? Können die Familienmitglieder eigentlich in der Mensa und beim Tagungsdinner mitessen? Wo halten sich Kinder, Partner, Babysitter & Co auf, wenn es dafür keinen extra Raum am Veranstaltungsort gibt? Solche Fragen können teilweise im Voraus geplant werden, poppen aber oft erst vor Ort auf und müssen spontan an die Rahmenbedingungen ausgerichtet werden.


Ein nicht zu unterschätzender Teil der Tagung findet allerdings gar nicht während des offiziellen Programms statt, sondern drum herum. Die Rede ist vom informellen networking. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Smalltalk in der Pause oder ein Pläuschchen beim Kaffee, kann sich zu einer gewinnbringenden Zusammenarbeit, Co-Autorschaft, erfolgreichen Vermittlung, Gründung von Initiativen usw. entwickeln. In der Tagungspause und am Abend stehen Wissenschaftler*innen mit Kindern also vor der Frage: connecten – oder endlich zum Kind aufs Zimmer?

Reisen als promovierende Mama: meine Erfahrungen

Als Doktorandin und gleichzeitig Mama von vier Kindern waren Reisen auf Tagungen und Seminare die Highlights meiner PhD-Zeit, aber auch die größten Herausforderungen. Dabei habe ich verschiedene Lösungen ausprobiert, die sich nach verschiedenen Parametern gerichtet haben: nach Alter meiner Kinder, Tagungsort, Länge des Programms, Verfügbarkeit von Betreuungspersonen, finanziellen Ressourcen, Schul- und Ferienzeiten usw. Manche Reisen im Namen der Wissenschaft habe ich alleine angetreten, manche mit Familie. Im zweiten Fall kamen als Betreuungspersonen entweder mein Mann oder meine Mutter mit. Bei einem mehrtägigen Stiftungsseminar hat einmal auch meine älteste Tochter ihre kleinste Schwester gehütet.


Der aufwändigste Trip während meiner Promotion war der Frankoromanistentag 2024 in Passau. Mit dabei war mein damals vierjähriger Sohn, mein knapp einjähriges Baby und mein Mann. Wir hatten ein Zimmer in einer Waldschenke mit herrlichem Frühstücksbuffet und meine Familie hatte eine tolle Zeit in der Natur, während ich meine Programmpunkte abhakte. Mittags kamen sie in die Stadt zur Uni, damit das Baby sich seine Stillmahlzeit abholen konnte und zur Stadtbesichtigung.


Nicht alle meine PhD-Reisen waren extern finanziert. Wuchs mir die Recherche und Antragsstellung für Zuschüsse über den Kopf, habe ich in die eigene Tasche gegriffen, um mir den Stress zu ersparen. Auch nicht jeder gestellte travel-grant-Antrag wurde bewilligt, denn die Konditionen sind streng und die Mittel begrenzt. Daher bin ich dankbar für mein Promotionsstipendium sowie die finanzielle Unterstützung meiner Familie. Besonders dankbar bin ich aber für ihre Ermutigung und Bereitschaft, mich auf die Reisen zu begleiten und diese Reisen auch als schöne Familienevents zu gestalten.

Promovierende Eltern unterstützen und ermutigen

Als Wissenschaftler*in sind Tagungen, Workshops und Seminarbesuche kein Nice-to-have, sondern unabdingbar für Forschung und Vernetzung. Gleichzeitig stellen mehrtägige berufliche Reisen Eltern vor große organisatorische Herausforderungen. An diesem Punkt setzt „Frau Dr. Mama“ an. Es geht darum, Eltern an Hochschulen auf ihrem wissenschaftlichen Karriereweg zu begleiten. Und zwar mitsamt den großen und kleinen Hürden, die dieser Weg mit sich bringt. Ich kenne diese Hürden allzu gut. Sowohl aus meiner eigenen Erfahrung als studierende und promovierende Mama als auch durch Erfahrungsaustausch. Es liegt mir am Herzen, anderen Personen in derselben Situation Mut zu machen, sie zu unterstützen und sie von meinen Erfahrungen profitieren zu lassen. Genau deshalb habe ich „Frau Dr. Mama“ gegründet.


„Frau Dr. Mama“ bietet ein Coaching für Eltern in Studium, Promotion oder Forschung, die sich eine individuell abgestimmte 1:1 Begleitung über einen längeren Zeitraum wünschen, um ihre Ziele zu erreichen. Da jede Situation, jede Familie und jede berufliche Laufbahn anders ist, stimme ich das Coaching-Programm individuell nach deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Hier erfährst du mehr über die Rahmenbedingungen des Coachings.


Übrigens arbeite ich nicht nur mit Personen, die bereits Kinder haben – durch zahlreiche Gespräche mit Betroffenen weiß ich, dass es viele Hochschulangehörige gibt, die sich nicht trauen, ihren Kinderwunsch in die Tat umzusetzen. Egal ob also mit Kindern oder ohne, es sind die gleichen Ängste, die hier zugrunde liegen: Angst vor struktureller Benachteiligung, Angst vor dem Karriereaus, Angst vor Überforderung usw. Was auch immer es bei dir ist, wir schauen es uns zusammen an. Strukturiert, lösungsorientiert und ohne Wertung. Denn das Letzte, das du als Person mit Care-Verpflichtung brauchst, sind vermutlich noch mehr Tipps von außen, wie man es „richtig“ und „falsch“ macht.

Promovieren mit Kind: Du bist nicht allein

Wenn auch du an dem Punkt stehst, Familie und Uni unter den Doktorhut zu bekommen, bist du damit nicht allein. Schau vorbei in unserer Community auf Instagram! Hier gibt es regelmäßig authentische und praxisnahe Impulse, Austauschangebote unter Gleichgesinnten und Einblicke in meinen Alltag als Vierfach-Mama an der Hochschule.

 
 
 

Kommentare


bottom of page